Aufruf an die DGB-Gewerkschaften 2021

Welche Kraft feministischen Bewegungen innewohnt zeigte uns erst kürzlich der polnische Frauenstreik: Bereits 2016 hatten sie ein restriktives Abtreibungsgesetz verhindert – nun haben sie erneut der Regierung eindrucksstark in die Schranken verwiesen! Die Bewegung ist auch in Deutschland gewachsen und wird 2021 wieder zu Aktionen aufrufen. Der 8. März 2020 ist vielen von uns noch lebhaft in Erinnerung als einer der letzten starken Proteste vor der weltweiten Corona-Pandemie. Wir waren bundesweit Teil einer breiten gesellschaftlichen Bewegung und standen mit ca. 60 000 Beteiligten bei unseren feministischen Aktionen im engen Schulterschluss mit einem weltweiten feministischen Aufbruch. Daran knüpfen wir an!

Beklatscht wurden die Richtigen – Anerkennung gibt es aber weiterhin nur symbolisch.

In der sogenannten ‚Corona-Krise‘ wurde Altbekanntes deutlich: Frauen* sind privat wie beruflich am stärksten von den Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen betroffen! Wir waren konfrontiert mit dem Anstieg von häuslicher Gewalt, der Zugangserschwerung von Abtreibungen und dem Ringen um die Aufteilung der Sorgearbeit. Wir haben das Zusammenbrechen der informellen Beschäftigungsformen und die Überlastung durch die Betreuung und schulische Begleitung der Kinder in Homeoffice erlebt. Klassische Frauenbranchen, wie Pflege, Einzelhandel und Kindererziehung galten als systemrelevant – auf die langjährige bestehende Überlastung kamen aber nur weitere Zumutungen hinzu.

Wir fordern Euch auf mit uns den 8. März 2021 zu gestalten.

Als Gewerkschafter*innen wissen wir, dass Appelle und warme Worte nicht reichen. Die weitreichenden Folgen der aktuellen Krise stehen uns noch bevor. Härtere Verteilungskämpfe werden in den kommenden Monaten auf uns zu kommen und das trifft uns an vielen Stellen schwer. Denn gerade in Berufen, wo etwa fehlender ökonomischer Druck und persönliche Verbundenheit das Führen von klassischen Arbeitskämpfen erschwert, braucht es öffentlichkeitswirksame Unterstützung.

Gemeinsam mit lokalen Frauen*streikbündnissen können wir dem etwas entgegen zu setzen! Die feministische Frauen*Streikbewegung setzt Themen, die auch unsere Anliegen sind. Die feministischen Forderungen der bundesweit organisierten Frauen*streikgruppen zu unterstützen und dafür am 8. März 2021 zu mobilisieren ist uns wichtig – aber es reicht uns nicht! Wir wollen feministische Gewerkschaftspolitik voranbringen und wir sind dafür als ehrenamtliche wie hauptamtliche Gewerkschaftsmitglieder in verschiedenen Orten, Branchen und Ebenen aktiv! Wir fordern daher auch für 2021 in allen Gewerkschaftsgremien Diskussionen darüber, WIE wir uns am 8. März beteiligen!

Feministische Gewerkschaftspolitik priorisieren, um stärker zu werden!

  • Es gilt, den feministischen Kern unserer gewerkschaftlichen Kämpfe klar zu benennen und in unserer Arbeit zu priorisieren.
  • Es gilt, aktiv auf Bündnispartner zuzugehen und den Aufbau tragfähiger Strukturen an unseren jeweiligen Orten zu unterstützen.
  • Es gilt, unsere betrieblichen Konflikte in die Bündnisarbeit einzubringen und die Schnittmengen herauszuarbeiten.
  • Es gilt, diese Auseinandersetzungen verstärkt in unseren Betrieben und Dienststellen zu führen – auch in unseren eigenen Reihen!!
AG Feministische Lohnarbeitskämpfe der Frauen*streik-Bündnisse (Kontakt: feministische_lohnarbeitskaempfe@mailbox.org)