Aufruf Frankfurt/Main

 

Aufruf zum Frauen*Streik-, Protest- und Aktionstag in Frankfurt am 8. März 2019!

 

Wenn wir streiken, steht die Welt still.

 

Am 8. März ist Internationaler Frauen*kampftag. Schon seit über 100 Jahren streiken, streiten und kämpfen wir für unsere Rechte und ihre Verwirklichung. Auf der ganzen Welt stehen Frauen* auf, organisieren sich und kämpfen für ein solidarisches und selbstbestimmtes Leben ohne Ausbeutung, Diskriminierung, Gewalt, Sexismus und Unterdrückung. Sie stehen auf gegen rechte und faschistische Regierungen und Parteien mit ihrer Frauen*verachtung, gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und gegen Kriege um Macht- und Einflussgebiete, die unzählige Menschen zur Flucht zwingen.

Mit Streiks und Massendemonstrationen legten Frauen* in Spanien und Lateinamerika am 8. März 2018 das öffentliche und private Leben lahm. Diesen Weg finden wir richtig. Gründe zum Streiken haben wir genug!

Wir werden tagtäglich mit diskriminierendem Verhalten, verletzenden Witzen, Kommentaren, verbalen und physischen Übergriffen, körperlicher und psychischer Gewalt, im privaten und öffentlichen Leben, angegriffen, verletzt und klein gemacht. Bestehen wir auf unserem Recht auf körperliche Selbstbestimmung, werden wir bevormundet und kriminalisiert. Unser aller demokratischen Rechte auf Selbstbestimmung und Teilhabe werden immer mehr eingeschränkt. Besonders geflüchtete und illegalisierte Frauen* erleben tagtäglich Repression, wenn sie sich für ihre Selbstbestimmung und ihre Rechte einsetzen. Viele von ihnen leben in Rechtlosigkeit und in der ständigen Angst vor Abschiebung. Frauen*rechte werden instrumentalisiert, um rassistische Hetze zu betreiben und das Recht auf Asyl und Flucht gänzlich auszuhebeln.

Unsere Arbeit wird geringgeschätzt oder oft gar nicht erst als solche angesehen. Frauen* verdienen in Deutschland im Schnitt 22% weniger als Männer. Viele von uns können davon nicht eigenständig leben und im Alter kommen wir mit unserer Rente kaum oder gar nicht über die Runden. Das ist der „Dank“ dafür, dass wir zu Hause unzählige unbezahlte Stunden an Erziehungs-, Haushalts- und Pflegearbeit leisten. Frauen* leisten jeden Tag zusätzlich das 1,6 fache an unbezahlter Sorgearbeit. Manche von uns tun dies zusätzlich schlecht bezahlt im Zuhause anderer. Für Partner*innen, Angehörige, Freund*innen und Kolleg*innen leisten wir oft emotionale Unterstützung. So verschieden wir sind, es ist die kapitalistische Gesellschaft, die unsere unterbezahlte Arbeit im Betrieb und unsere unbezahlte Arbeit zu Hause braucht und von ihr profitiert. Ob wir mit dem Kugelschreiber, dem Schraubenschlüssel, dem Computer oder dem Besen in der Hand arbeiten, ob wir dafür einen Lohn bekommen oder nicht, ob wir erwerbslos sind oder noch in der Ausbildung, egal wo wir geboren sind, egal welchen Pass oder Aufenthaltsstatus wir haben – weil wir unsere Lage nicht mehr klaglos und selbstverständlich hinnehmen, schließen wir uns zusammen und entwickeln gemeinsam unsere Stärke! Wir sagen laut und entschlossen: Schluss mit der Ausbeutung von Frauen*!

Es reicht! Lasst uns am 8. März zusammen aktiv werden, streiken, protestieren und auf die Straße gehen – mit unseren vielfältigen Anliegen und Aktivitäten! Machen wir unseren Protest, unsere Forderungen und unsere Vorstellungen von einer geschlechtergerechten und solidarischen Gesellschaft jenseits von Patriarchat und Kapitalismus sicht- und erfahrbar!

* Das Sternchen soll verdeutlichen, dass es sich bei Geschlecht um ein Spektrum vielfältigster Geschlechtsidentitäten, Körperlichkeiten und Ausdrucksweisen handelt. Wenn also von »Frauen*« die Rede ist, sind nicht nur cis-Frauen gemeint, also Frauen, bei denen Geschlechtsidentität und bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht übereinstimmen. Das Sternchen dient der Inklusion diverser Geschlechtsidentitäten, welche jedoch als »Frauen« behandelt werden.