2021

Der Streik lebt in den Kämpfen

Transnationale Feminist:innen gegen patriarchale Gewalt

Einberufung einer öffentlichen Vollversammlung am 7. Februar 2021

Seitens unserer diversen Feminismen, verbunden und gestärkt durch unsere transnationale Verbindung, rufen wir alle Frauen, Lesben, Trans und intersexuelle Personen, Migrant:innen, Indigene, Schwarze und Afro-Deutsche dazu auf, an der öffentlichen, transnationalen Vollversammlung am 13. Dezember 2020 teilzunehmen, um uns gegenseitig weiter zu stärken und den Weg für den feministischen Streik am 8. März 2021 zu ebnen.

Diese Vollversammlung hat zum Ziel, jene Kämpfe und Widerstandspraxen miteinander zu verbinden, die heute, am 25. November, den Tag gegen machistische geschlechtsspezifische Gewalt, sichtbar sind. Aber auch alle weiteren feministischen und antipatriarchalen Kämpfe, die in den letzten Monaten überall auf der Welt aufgetreten, sollen hier vereint werden, damit unsere kollektive Stimme weltweit widerhallen kann, um die Grenzen, die die Pandemie uns aufzeigt, herauszufordern.

Wir haben sehr klar gemacht, dass wir nicht zur Normalität zurückkehren werden, denn die Normalität war das Problem. Wir haben deutlich gesagt, dass wir die Krise nicht mit unseren Körpern und Territorien bezahlen werden. Wir haben mit lauter Stimme angeprangert, dass der neoliberale Umgang mit der Pandemie die systemische Gewalt gegen FLINT (Frauen, Lesben, Inter, nicht-binäre Menschen, Trans) sowie Praxen der kolonialen und rassistischen Unterdrückung verstärkt.

Jetzt wollen wir einmal mehr unsere kollektive Stärke zeigen, damit sich unsere Erfahrungen, Kämpfe und Widerstandspraxen in ihrer Vielfältigkeit gegenseitig verstärken können und sich auf transnationaler Ebene verbinden und ausweiten. Hiermit wollen wir den Prozess des feministischen Streiks eröffnen, denn er ermöglicht es uns, die patriarchale, rassistische, kapitalistische und koloniale Organisation unserer Gesellschaften sichtbar zu machen und uns gleichzeitig von ihr abzuwenden.

Während wir Selbsthilfe- und Selbstverteidigungsnetzwerke gegründet haben, um gegen häusliche Gewalt vorzugehen, haben wir gleichzeitig den Kampf gegen machistische und geschlechterbasierte Gewalt fortgeführt. So wie wir es heute, am 25. November, auf der ganzen Welt auch wieder tun.

Während wir an vorderster Front in Krankenhäusern, Schulen, Fabriken, in Reinigungsdienstleistungen gearbeitet haben, haben wir gleichzeitig den Prozess des feministischen Streiks nicht angehalten. Denn wie wir bereits am 1. Mai gezeigt haben: Wenn wir streiken, steht die Welt still.

Während wir weiterhin Grenzen passieren, um gegen einen miserablen Lohn die Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, die für die Aufrechterhaltung der globalen Versorgungsketten für Nahrungsmittel und Sorgearbeit notwendig ist, haben wir nicht aufgehört, institutionellen Rassismus anzuprangern und mit lauter Stimme eine Aufenthaltsgenehmigung sowie ein Grundeinkommen einzufordern, die uns ein würdevolles Leben ermöglichen könnten.

Während wir in indigenen Gemeinden die Reproduktion des Lebens sichergestellt haben, indem wir durch kollektive Netzwerke die Folgen der Pandemie abfederten, haben wir nicht aufgehört, die Landschaften und Territorien gegen Exitraktivismus – den Raubbau an der Natur – und Militarisierung zu verteidigen.

Während wir unsere Solidaritätsnetzwerke mit Menschen in Kriegsschauplätzen – wie etwa Kurdistan und Palästina – aufrecht erhalten haben, haben wir unsere feministische und antiimperialistische Revolution nicht gestoppt, und die Freiheit aller politischer Gefangenen gefordert.

Während die Gesundheitsversorgung individuell und unternehmerisch gehandhabt wurde, haben wir aufgezeigt, wie die sozialen und materiellen Bedingungen von Geschlecht, Klasse, Herkunft und Hautfarbe, den Zugang zur Gesundheitsversorgung bestimmen. In diesem Sinne haben wir unseren Kampf für die reproduktive Selbstbestimmung fortgeführt und für einen frei zugänglichen, sicheren und kostenlosen Schwangerschaftsabbruch gefordert.

In diesen letzten Jahren haben wir weiter daran gearbeitet, eine globale feministische Bewegung aufzubauen, die es schafft, in allen sozialen Bewegungen eine feministische Perspektive zu verankern. Die Kämpfe rund um Black Lives Matter in den USA, die von #EndSars gegen polizeiliche Gewalt in Nigeria, und solche, die faschistische und konservative Regime erzittern lassen, wie wir es in Bolivien, Peru und Chile erlebt haben, zeigen wie das aussieht.
Statt uns der Individualisierung und dem Angriff auf unsere Körper und Territorien zu ergeben, wie es der neoliberale Umgang mit der Pandemie vorschreibt, haben wir unsere Kämpfe noch verstärkt, denn wir lassen einander nicht mehr los. Das 35. plurinationale Treffen von Frauen und Queers in Lateinamerika und die Schaffung von E.A.S.T. (Essential Autonomous Struggles Transnational) in Europa, die Kämpfe gegen die Abwertung von produktiver und reproduktiver Arbeit von Frauen, Migrant:innen und die transnationale Solidarität mit den polnischen Frauen im Kampf für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen haben einmal mehr gezeigt, dass die transnationale feministische Vernetzung gewachsen ist. Dies zeigt sich an der Stärkung dieses transnationalen feministischen Raums, der sich nun ausweiten möchte auf diejenigen Mitstreiter:innen, die noch nicht Teil davon sind.
In diesem historischen Moment, in dem unsere produktive und reproduktive Arbeit wie noch nie zuvor intensiviert, ausgebeutet und abgewertet wird, in dem die patriarchale, geschlechterbasierte, kapitalistische und rassistische Gewalt uns noch stärker angreift, sehen wir es als dringende Aufgabe an, die Bedeutung eines globalen feministischen Streiks aufzuzeigen. Deshalb rufen wir alle dazu auf, sich am feministischen transnationalen Kampf zu beteiligen, und bei der Vollversammlung am 13. Dezember teilzunehmen.

EIN HOCH AUF DIE KÄMPFER*INNEN

Feministas Transfronterizas

Aufruf an die DGB-Gewerkschaften 2021

Welche Kraft feministischen Bewegungen innewohnt zeigte uns erst kürzlich der polnische Frauenstreik: Bereits 2016 hatten sie ein restriktives Abtreibungsgesetz verhindert – nun haben sie erneut der Regierung eindrucksstark in die Schranken verwiesen! Die Bewegung ist auch in Deutschland gewachsen und wird 2021 wieder zu Aktionen aufrufen. Der 8. März 2020 ist vielen von uns noch lebhaft in Erinnerung als einer der letzten starken Proteste vor der weltweiten Corona-Pandemie. Wir waren bundesweit Teil einer breiten gesellschaftlichen Bewegung und standen mit ca. 60 000 Beteiligten bei unseren feministischen Aktionen im engen Schulterschluss mit einem weltweiten feministischen Aufbruch. Daran knüpfen wir an!

Beklatscht wurden die Richtigen – Anerkennung gibt es aber weiterhin nur symbolisch.

In der sogenannten ‚Corona-Krise‘ wurde Altbekanntes deutlich: Frauen* sind privat wie beruflich am stärksten von den Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen betroffen! Wir waren konfrontiert mit dem Anstieg von häuslicher Gewalt, der Zugangserschwerung von Abtreibungen und dem Ringen um die Aufteilung der Sorgearbeit. Wir haben das Zusammenbrechen der informellen Beschäftigungsformen und die Überlastung durch die Betreuung und schulische Begleitung der Kinder in Homeoffice erlebt. Klassische Frauenbranchen, wie Pflege, Einzelhandel und Kindererziehung galten als systemrelevant – auf die langjährige bestehende Überlastung kamen aber nur weitere Zumutungen hinzu.

Wir fordern Euch auf mit uns den 8. März 2021 zu gestalten.

Als Gewerkschafter*innen wissen wir, dass Appelle und warme Worte nicht reichen. Die weitreichenden Folgen der aktuellen Krise stehen uns noch bevor. Härtere Verteilungskämpfe werden in den kommenden Monaten auf uns zu kommen und das trifft uns an vielen Stellen schwer. Denn gerade in Berufen, wo etwa fehlender ökonomischer Druck und persönliche Verbundenheit das Führen von klassischen Arbeitskämpfen erschwert, braucht es öffentlichkeitswirksame Unterstützung.

Gemeinsam mit lokalen Frauen*streikbündnissen können wir dem etwas entgegen zu setzen! Die feministische Frauen*Streikbewegung setzt Themen, die auch unsere Anliegen sind. Die feministischen Forderungen der bundesweit organisierten Frauen*streikgruppen zu unterstützen und dafür am 8. März 2021 zu mobilisieren ist uns wichtig – aber es reicht uns nicht! Wir wollen feministische Gewerkschaftspolitik voranbringen und wir sind dafür als ehrenamtliche wie hauptamtliche Gewerkschaftsmitglieder in verschiedenen Orten, Branchen und Ebenen aktiv! Wir fordern daher auch für 2021 in allen Gewerkschaftsgremien Diskussionen darüber, WIE wir uns am 8. März beteiligen!

Feministische Gewerkschaftspolitik priorisieren, um stärker zu werden!

  • Es gilt, den feministischen Kern unserer gewerkschaftlichen Kämpfe klar zu benennen und in unserer Arbeit zu priorisieren.
  • Es gilt, aktiv auf Bündnispartner zuzugehen und den Aufbau tragfähiger Strukturen an unseren jeweiligen Orten zu unterstützen.
  • Es gilt, unsere betrieblichen Konflikte in die Bündnisarbeit einzubringen und die Schnittmengen herauszuarbeiten.
  • Es gilt, diese Auseinandersetzungen verstärkt in unseren Betrieben und Dienststellen zu führen – auch in unseren eigenen Reihen!!

AG Feministische Lohnarbeitskämpfe der Frauen*streik-Bündnisse (Kontakt: feministische_lohnarbeitskaempfe@mailbox.org)

Sich ständig verantwortlich fühlen für das Wohlbefinden anderer?
Streik! 
Wa[h]re Liebe?
Streik!
Lächeln müssen?
Streik!

Neulich hat sich die Gewerkschaft der Emotionsarbeitenden (GEA) das 1. Mal getroffen. Das Treffen dauerte 1 Stunde und daraus ging hervor, dass wir 1 Monat lang verschiedene emotionale Arbeiten bestreiken werden.

Emotionale Arbeit WTF? Sie findet in (zukünftigen Ex-)Liebesbeziehungen, am Arbeitsplatz, auf der Straße, in Freund:innenschaften, politischen Gruppen, Wohngemeinschaften oder (Wahl-)Familien statt. Wir merken das in unserem Alltag: Irgendwas ist da unsichtbar und ungleich verteilt, irgendwie hat es wohl mit feminisierter Arbeit und diesem ominösen Privaten zu tun, irgendwas ist da los mit Patriarchat und Kapitalismus. Wir wissen noch nicht genau, wie das Problem genau zu fassen ist, und wie wir wirkungsvoll streiken können, also lasst es uns gemeinsam rausfinden! 

Was wollen wir bestreiken? Wen wollen wir bestreiken? Warum wollen wir streiken? Wer kann streiken und welche Rückendeckung braucht es dafür? Du weißt schon genau was du bestreikst? Erzähl uns davon! Du hast keine Ahnung? Lass uns austauschen!

Keine Zeit und Energie dafür?
Streik ist nicht nur Verweigerung von etwas, sondern auch Raum schaffen für anderes. Wir nehmen uns jetzt mal die Zeit! In den Streikcafés wollen wir darüber sprechen, ob und wie es mit der Gewerkschaft der Emotionsarbeitenden weitergeht. Vor allem aber wollen wir miteinander im Gespräch bleiben und hören, wie eure Erfahrungen mit dem Streik so sind. 

Am 8. März werden wir dann womöglich eine Art Tarifverhandlung haben, wissen aber noch nicht, mit wem, und ob wir überhaupt Bock haben, zu verhandeln. Solange Kapitalismus ist, sind unsere Beziehungen Tauschbeziehungen. Anerkennung drückt sich durch Geld aus. Solange das ist so ist,  sagen wir Emo-Arbeiter:innen: We want money, money, money. Aber klar ist auch – wir wollen eben doch ein ganz anderes Zusammenleben, beziehungsweise Revolution, wo Anerkennung und Arbeit anders laufen.

Sich aufeinander zu beziehen, auch emotional, ist etwas Tolles – und der Kampf ist, diese Arbeit wertzuschätzen, sichtbar zu machen und gemeinschaftlich zu übernehmen.

Du hast Lust bekommen? Bist in Streiklaune? Melde dich unter gea-streik[at]systemli.org.
Wir freuen uns auf dich!